• Verfasst am 03.09.2010 - Wirtschaft
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TMD Friction: 100 Jahre Produktion in Coswig

In diesem Jahr feiert das TMD Friction Werk in Coswig seinen 100. Geburtstag. Die Geschichte der Coswiger Reibbelagproduktion begann mit einer kleinen Fabrik für Dichtungsmaterial, die Julius Hermann Kirchbach am 13. Juli 1910 gründete. Seitdem hat sich das Unternehmen mit den Bedürfnissen der Märkte weiterentwickelt, seine Wettbewerbsfähigkeit ausgebaut, aber auch Einschnitte erlebt und seinen Namen einige Male gewechselt. Gleich geblieben sind der Standort und das Produkt – Reibbeläge für die unterschiedlichsten Anwendungen.

Ende der 1930er Jahre hat das Coswiger Unternehmen in Deutschland einen Marktanteil von 90 %.

Die 1910 gegründeten Kirchbachschen Werke stellen mit zehn Mitarbeitern zunächst säurefeste Verpackungen her. Mit der Produktion von Reibmaterialien beginnt der Standort erst 1914. Damals geht bei dem Coswiger Unternehmen eine Bestellung des Militärs über 10.000 Meter Bremsband ein. Kirchbach nimmt die Herausforderung an. Als das Militär den Auftrag zurückzieht, bietet Kirchbach die Ware der Automobilindustrie an – mit Erfolg. Damit ist der Grundstein für die Reibbelagproduktion in Coswig gelegt.


In den nächsten Jahren werden die Produktionsverfahren erfolgreich weiterentwickelt und verbessert. Die Kirchbachschen Werke liefern als erstes Unternehmen der Welt einbaufertige Bremsbeläge, Ende der 1930er Jahre hat das Unternehmen in Deutschland einen Marktanteil von 90 %.

Die Kirchbachschen Werke liefern als erstes Unternehmen der Welt einbaufertige Bremsbeläge.

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt auch bei den Kirchbachschen Werken erhebliche Spuren. Im Oktober 1945 kommt es zum Demontagebefehl, nur ein Drittel der Produktionsanlagen bleiben bestehen. 1947 wird das Werk verstaatlicht, es wird zum einzigen Hersteller von Bremsbelägen in der ehemaligen DDR. Zu diesem Zeitpunkt zählt der Standort 200 Mitarbeiter. In den nächsten Jahrzehnten wächst das Unternehmen rasant, so dass Mitte der 1950er Jahre rund 1000 Angestellte beim Reibbelaghersteller in Coswig arbeiten. Weiteres Wachstum bahnt sich mit der Großbetriebsbildung „VEB Cosid-Kautasit-Werke" an, durch die Coswig zur Firmenzentrale zuerst von drei, später von sechs Betrieben wird.

Der Großbetrieb stellt Reibbeläge aller Art her, vor allem für Pkw, Lkw und die Industrie. „Damals haben wir hier Reibbeläge für alles produziert, was bremsen und kuppeln können muss", erinnert sich Victor Berger, der seit 38 Jahren beim Reibbelaghersteller in Coswig arbeitet und heute Vertriebsleiter für die Bereiche Schiene und Industrie am Standort ist.

Nach der Verstaatlichung 1947 wächst das Unternehmen in den folgenden Jahren rasant. Mitte der 1950er Jahre hat der Reibbelaghersteller in Coswig rund 1000 Angestellte. Es erfolgt die Großbetriebsbildung „VEB Cosid-Kautasit-Werke“.

Der Fall der Mauer führt zu einem weiteren tiefen Einschnitt in der Geschichte des Standortes. Die Betriebsteile der VEB Cosid-Kautasit-Werke werden aufgelöst, viele Mitarbeiter entlassen. Das Werk in Coswig hat Glück, es bleibt bestehen. 1991 wird das Werk von der Rütgers Pagid AG Essen gekauft. Nach einigen weiteren Namensänderungen gehört es nun seit 2001 zur TMD Friction Gruppe.

„Ich freue mich sehr, dass unser Werk nun seit fast 100 Jahren erfolgreich Reibbeläge für die unterschiedlichsten Anwendungen produziert", sagt Stefan Vinzens, Werkleiter in Coswig. „Für die positive Entwicklung unseres Standortes seit den 1990er Jahren waren zwei Ereignisse besonders wichtig. 1995 haben wir mit dem Bau einer neuen Produktionshalle auf dem Firmengelände begonnen, mit dem wir unsere Produktion modernisieren konnten. 2008 haben wir dann in eine neue Fertigungslinie für Lkw-Scheibenbremsbeläge investiert. Damit haben wir unsere Produktionskapazitäten am Standort nochmals erweitert."

Seit 2008 kommt im Coswiger Werk eine neue Rundtischpresse für LKW Scheibenbremsbeläge zum Einsatz.

Heute ist das Werk Coswig mit 167 Mitarbeitern auf die Produktion von Reibmaterialien für Lkw, den Schienenverkehr und die Industrie spezialisiert. Neben Reibbelägen für Nah- und Fernverkehrzüge, die z. B. auch bei der Dresdener Straßenbahn zum Einsatz kommen, produziert das Unternehmen auch Lkw-Bremsbeläge und Reibmaterialien für Industrieanwendungen wie Windkrafträder. Die Schienenverkehr- und Industriesparte wird zurzeit erweitert.


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