GAK - Gummi Fasern Kunststoffe 4 | 2011

Die neue Demokratie.

von Heinz Gupta

Es soll schon so bleiben, dass das Volk regiert, aber die Form in der die Meinung des Volkes erfasst und umgesetzt wird muss hinterfragt werden.
Hieß es noch vor vielleicht 100 Jahren „Ruhe ist des Bürgers erste Pflicht“, so gehen die Menschen jetzt auf die Straße und skandieren „Wir sind das Volk“.
Während die Bürger früher sagten: „Die da oben wissen schon Bescheid und werden es richtig machen“, so sind sie dessen heute gar nicht mehr so sicher und protestieren, auch gegen die von ihnen gewählten Vertreter und werden zu Wutbürgern, wie es vor kurzem hieß.

Und weiter hieß es „Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand!“. Weit gefehlt, wie man mittler­weile weltweit lernen musste.
Selbst in geordneten westlichen Demokratien ist es nicht möglich, für eine Wahlperiode von beispielsweise vier Jahren vorherzusehen, welche politischen und sozialen Probleme auftreten, auf die reagiert werden muss. Deshalb werden immer häufiger Bürgerentscheide und Volksbefragungen gefordert.

Aber nicht nur in „ordentlichen“ Demokratien formiert sich die Bevölkerung, emanzipiert sich zu freier Meinungsäußerung und hat den Mut, ihre Wünsche offen vorzutragen. Jahrelang unterdrückte Völker erheben sich gegen ihre Unterdrücker und Ausbeuter, verlangen Freiheit und Teilhabe am Erschaffenen. Ein Horror für alle Despoten und alle Volksvertreter, die meinen sie wären sakrosankt.
Es ist wie eine Epidemie, ja eine Pandemie, eine Viruserkrankung, die um die Welt geht. Die Überträger sind jedoch nicht Tröpfcheninfektionen, Schweine oder Vögel, es sind Internet, Youtube, Facebook und Twitter, die die Infektionen weitertragen. Unaufhaltsam, vielleicht etwas verzögerbar, aber nicht aufzuhalten.

Der Weg von der repräsentativen zur plebiszitären Demokratie wird zunehmend vorbereitet, durch Zeitungen und Fernsehsender, die die Meinungen der Menschen zu bestimmten Problemen erfragen.
Wie soll es nun in Zukunft aussehen?

Eine Möglichkeit wäre:

Es werden keine Volksvertreter sondern Prokuratoren gewählt.
Diese Prokuratoren müssen Probleme aufgreifen und sie in Fragen formulieren, die dem Bürger vorgelegt werden. In einer vorgegebenen Zeit kann der Bürger dann, nachdem er sich mit seiner Identifikationsnummer ins Netz eingeloggt hat, die Fragen nach seiner Meinung beantworten. Und zwar überall, im Bett, am See oder auf einem Berg.
Die Prokuratoren müssen dann die Antworten auswerten und in Aktionen umsetzen.
Das ergäbe die schnellstmögliche Reaktion auf Probleme.
Klingt futuristisch? Könnte aber eines Tages wahr werden.

Viele Grüße,
Ihr Heinz Gupta