GAK - Gummi Fasern Kunststoffe 7 | 2011

Von Exzellenz-Universitäten und Rattenfellen

von Heinz Gupta

In einem ausgezeichneten Essay berichtete Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, vor kurzem in der Financial Times Deutschland, dass während der französischen Kolonialzeit in Indochina (das heutige Laos, Kambodscha und Vietnam) die Kolonialherren, um einer Rattenplage Herr zu werden, den Einwohnern einen Preis für jedes abgelieferte Rattenfell zusicherten. Das war für die schlauen Landeseinwohner Anlass genug, massenhaft Ratten zu züchten und damit einen guten Verdienst zu erzielen.

Ähnlich geht es möglicherweise bei der Bewertung der deutschen Lehranstalten, in die das durch die UMTS-Versteigerungen eingenommene Geld gesteckt werden soll. Dazu müssen die leistungsfähigsten Universitäten bewertet werden. Da die ministerialen Geldverteiler aber nicht in der Lage sind, Universitäten und Lehrstühle fachlich zu beurteilen, lässt man sie durch Fachleute der gleichen Fachrichtung evaluieren. Durch Kompetenzgerangel und Wissenschaftsneid führt das nicht zu den besten Ergebnissen.

Ein anderer Bewertungsansatz ist die Anzahl der wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Hier greift jetzt, nach Binswanger, die wissenschaftliche Salamitechnik, bei der durch Veröffentlichung vieler
Einzelbeiträge die Anzahl der Arbeiten beliebig erhöht werden kann.

Ein weiteres Kriterium ist die Zahl der Studenten und Absolventen im jeweiligen Fachgebiet. War früher Deutschland das Mekka vieler, auch ausländischer Studenten, so ist das heute bei weitem nicht mehr der Fall. Zum einen sind weltweit ausgezeichnete Lehranstalten entstanden und zum anderen strahlt die Vielzahl der neugegründeten deutschen Universitäten keine hohe Wissenschaftskompetenz aus (waren es in Deutschland bis zum Kriegsende ca. 40 Universitäten, so sind es jetzt über 400 Hochschulen und davon über 100 Universitäten).

Man kann natürlich auch die Attraktivität erhöhen, indem man das Niveau der Abschlüsse senkt: Wenn man von dem früher international hoch angesehenen deutschen Doktorgrad zum Master und vom Universitätsdiplom zum Bachelor übergeht. Und wenn dann noch die Originalität der Abschlussarbeiten und die Zitatenquellen nicht mehr geprüft werden, bzw. wegen der Flut der Arbeiten nicht mehr geprüft werden können, bleibt es nicht aus, dass Plagiatsarbeiten entstehen.

Insofern besteht durchaus eine gedankliche Beziehung zwischen Herrn von und zu Guttenberg und Frau Koch-Mehrin zu den Rattenzüchtern in Indochina.
Das aber hat Herr Binswanger nicht behauptet.

Ihr Heinz Gupta