75 Jahre Polyurethan: Der Beginn des Maschinenzeitalters (Teil 3)
von Dr. Gupta Verlag
7. März 1945: Alliierte Truppen erobern die Brücke von Remagen am Rhein, gerade einmal 66 Kilometer südlich von Leverkusen, und kreisen das Ruhrgebiet mit weiteren Standorten der IG Farben ein; zwei Wochen darauf nehmen sie Frankfurt am Main; damit fällt auch das Werk Hoechst in die Hände der US-Soldaten. Am 30. April endlich hisst die Rote Armee ihre Fahne auf dem Berliner Reichstag. Hitler ist tot, der Zweite Weltkrieg ist vorbei. Deutschland ist befreit von der Nazi-Barbarei.
Aber das Land liegt am Boden. Städte und viele Industrieanlagen sind verwüstet. Ist das das Ende der Geschichte oder die Chance, neu anzufangen und es diesmal besser zu machen? Was in den Köpfen der besiegten Deutschen damals vorgegangen sein mag, kann man aus heutiger Sicht kaum erahnen. Der Schock des verlorenen Krieges und der enthüllten Verbrechen jedenfalls wirkt in Deutschland bis heute nach. Aber auch, wenn man ihnen heute nicht mehr in die Köpfe gucken kann: Den deutschen Ingenieuren, Chemikern und Technikern gelang es erstaunlich schnell, wieder Tritt zu fassen, zuzupacken, irgendwie weiterzumachen.
Ob aus dem Gedanken heraus, inmitten all der Trümmer schnell wieder so etwas wie Normalität herzustellen oder einfach nur, um wieder etwas zu tun zu haben: Im Leverkusener Werk der – vor der Zerschlagung stehenden – IG Farben kam allmählich wieder Leben in die Menschen. Dies ist nur die „Stunde Null“, mögen sie sich zugeraunt haben, „Machen wir weiter“. Auch in Otto Bayers Polyurethan-Team nahm man die Kittel irgendwann wieder vom Haken. Und schickte sich an, der Geschichte ihrer neuen Kunststoff-Familie neue Kapitel anzufügen.

