GAK - Gummi Fasern Kunststoffe 8 | 2005

Energie – Subventionslösungen sind keine Zukunftslösungen

Seit über 30 Jahren wird behauptet, dass Erdöl bald zur Neige geht und dann bei uns die Lichter ausgehen. Größter Verfechter dieser Behauptung war in den 70er Jahren der Club of Rome. Mit linearen Verbrauchs-Hochrechnungen der bekannten Erdölvorräte hatte uns der Club of Rome das Fürchten gelehrt. Mittlerweile wissen wir, dass der Club of Rome wohl die größten Fehlprog­nosen der Menschheitsgeschichte gestellt hat. Nach dem Club-of-Rome-Szenario säßen wir heute im Dunkeln, der letzte Tropfen Erdöl wäre aufgebraucht, die Wirtschaft läge zerstört am Boden. Kurioserweise sind aber seit den 70er Jahren die bekannten Erdölreserven trotz des wachsenden Verbrauchs gestiegen. Haben wir es also mit einem Wunder zu tun? So wie bei der Hochzeit von Kanaa, wo aus Wasser Wein wurde und der Weinvorrat nahezu ohne Grenzen war?

Ein kleines Wunder ist das wohl schon. Ein Wunder, das wir aber selbst erzeugt haben. Genauer gesagt, der Markt. Da Erdölpreise sich permanent nach oben entwickeln, wurden die Erdölförderer kreativ. Plötzlich wurden immer mehr Reserven gefunden, weil es sich doppelt lohnte zu suchen. Plötzlich wurden unkonventionelle Reserven entdeckt – also etwa die Ölschiefer in Alaska. Und siehe da, bei Ölpreisen über 50 Dollar lohnt es, aus Ölschiefer Öl zu erzeugen. Verbessert wurde und wird auch unsere Explorationstechnologie. Wurden in den 70er Jahren gerade mal 40 % der Öllager in der Erde „gehoben“, haben wir heute Technologien, die eine Ausbeutung der Lagerstätten von deutlich über 50 % erlauben. Und wir haben gelernt, sparsamer mit Öl umzugehen. Die Motoren in unseren Autos zeigen, was da mittlerweile alles möglich ist. Das Wunder heißt also Marktmechanismus.

Gerade deshalb müssen wir uns keine Sorgen um Erdöl machen. Es reicht für 200 Jahre. Das zeigen uns zum Beispiel die Forschungsergebnisse der Geologen. Also genügend Zeit, um neue Technologien zu entwickeln.

Neben der Verfügbarkeit von Erdöl stellt sich aber noch ein zweites Problem. Kohlendioxid-Emissionen, die bei der Verbrennung von fossilen Energiequellen anfallen, belasten unser Klima. Der Treibhaus-Effekt ist nicht wegzudiskutieren. Wir müssen also auch aus diesem Grunde gegensteuern. Aber wie?

Bei solchen Fragen melden die Grünen schnell ihre Kernkompetenz an. So auch unser noch geschäftsführender Bundesminister Trittin. Mit hochsubventionierten Erdgas-Autos – einer Uralt-Technologie –, wunderschönen Windparks und Solardächern über Castrop-Rauxel und manch anderen Don-Quichote-Taten schreiten wir in die Zukunft. Wer die Autobahn von Dortmund nach Kassel fährt, kann die neuen Weltwunder des Windes erleben. Oft mit lahmen Flügeln – aber erdrückend im Erscheinungsbild.

Alle diese Formen laufen nur mit Subventionen. Sobald man dem Windmühlen- oder Solar-Stromanlagen die Subventionen wegnimmt, sind die Weltwunder tot. Mausetot. Das gleiche gilt für das Erdgas-Auto. Die Mineralölkonzerne sollen eine Tank­infrastruktur aufbauen, und sobald das Gas in größeren Mengen durch die Automotoren fließt, bricht unser Staatshaushalt vollständig zusammen. Einfach weil 50 Mrd. Euro Mineralölsteuer pro Jahr dann fehlen. Spätestens dann bricht die ökologisch angehauchte Subventionsblase in sich zusammen. Das gleiche gilt für den Biodiesel – schlechtere Qualität und ausschließlich durch fehlende Mineralölsteuer lebensfähig. Auf einem solchen Kartenhaus haben wir in Deutschland unsere Energiezukunft aufgebaut. Dabei gibt es bewährte, kostengünstige und zukunftsfähige Alternativen, die sowohl das Problem der begrenzten Vorräte als auch das Problem des Kohlendioxids lösen.

Die Lösung lautet Kernkraft. Überall in der Welt – mit Ausnahme von Deutschland – wird Kernkraft ausgebaut. Kernkraft erlaubt es uns, in fünfzehn bis zwanzig Jahren Wasserstoff preisgünstig zu produzieren. Genau so lange brauchen die Autohersteller, um ihre Brennstoffzellen-Autos serientauglich zu machen und die Preise auf Wettbewerbsniveau zu bringen. In der Zwischenzeit wird der Hybrid erlauben, sparsamer mit dem Treibstoff umzugehen. Hybrid-Fahrzeuge, wie der Toyota Prius, haben eine Kohlen­dioxid-Bilanz, die besser ist als das hochsubventionierte Gas-Auto. Der Markt und der Preis lösen eben oft Probleme besser als alle Ideologien. Und - die Lösungen sind nachhaltig, tragfähig und innovativ. Was in den 70er Jahren der Club of Rome war, ist heute das Energieprogramm der rot-grünen Koalition. Beide wollen die Welt retten. Beide bereiten uns mit ihren Negativszenarien schlaflose Nächte. Beide liefern kurzfristig teure Subventionslösungen ohne Nachhaltigkeit.

Was wir heute brauchen, ist wieder Vertrauen in die Technik, Vertrauen in Innovationen. Tschernobyl war keine Technik, sondern ein Uralt-Modell, das in einem korrupten System sträflich schlampig betreut wurde und ohne Wartung zur Bombe wurde. Das ist so, wie wenn man ohne Bremse mit seinem Auto unterwegs ist und dann bei einem Unfall alle Autos verbietet, weil ja ein Bremsproblem vorliegt. Wir schütten das Kind immer sehr schnell mit dem Bade aus und fangen dann mit Konzepten aus der Steinzeit wieder von vorne an. Gleichgültig, was es kostet, es muss alternativ sein. Statt Bewährtes weiterzuentwickeln, gehen wir in nicht tragfähige Subventionslösungen. Energie wird damit viel zu teuer im Vergleich zum Ausland, viel zu unzuverlässig im Vergleich zum Ausland und viel zu brüchig, da Subventionslösungen nicht finanzierbar sind. Mit dieser Energiepolitik verliert Deutschland weiter an Wettbewerbsfähigkeit.

Fazit: Die Zukunft liegt im Marktsystem, in der Kraft der Marktpreise und der unendlichen Kreativität unserer Ingenieure. Falls man die drei Punkte zusammenbringt, hat man das beste Programm für die Zukunft: Tragfähig, nachhaltig, innovativ.

Ferdinand Dudenhöffer