- Verfasst am 11.01.2010 - Wirtschaft
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Erfolgsrezept Spritzgießen: geringer Energieverbrauch, hohe Qualität
Wie entwickelt sich der Markt im Bereich der Spritzgießtechnik?
Braun: Man kann mittelfristig von einer Stagnation auf hohem Niveau ausgehen. Allerdings wird die Verlagerung von Spritzgießunternehmen ins Ausland weitergehen. Verbleibende Unternehmen konzentrieren sich auf technisch anspruchsvolle Anwendungen wie Montagespritzgießen, Mehrkomponentenartikel, Präzisionsteile, die Verarbeitung von Hochleistungskunstoffen oder auf Sonderverfahren. Der Verpackungsbereich hat den Automobilbau als größtes Marktsegment abgelöst und der Medizinalbereich bietet noch erhebliche Potenziale.
Welche Rolle spielen deutsche Anbieter im internationalen Wettbewerb?
Mohr-Matuschek: Die deutschen Anbieter haben international einen sehr guten Ruf. Sie arbeiten in großer Nähe zu bedeutenden Kunden und in einer hervorragenden industriellen Infrastruktur mit viel Ingenieur-Know-how. Die Fertigung in kleinen Losgrößen, die hohe Flexibilität, kurze Wege und schnelle, zuverlässige Absprachen bei der Abwicklung erfordert, wird in Deutschland bleiben. Die Rohstoffhersteller werden immer mehr Konkurrenz aus Asien und dem Nahen Osten bekommen und sich hier weiterhin als „Solution Provider“ mit Spezialitäten und Beratungskompetenz profilieren.
Welche Trends beobachten Sie bei neuen Anwendungen und Technologien?
Braun: Es ist für deutsche Unternehmen überlebenswichtig, anspruchsvolle Techniken zu entwickeln und anzuwenden. Dabei spielen Integrationsprozesse eine immer größere Rolle. Beispiele dafür sind das Montagespritzgießen komplexer Bauteile oder die Oberflächenveredelung im Spritzgießprozess. Hierfür sind elektrische Spritzgießmaschinen ideal geeignet, weil es sich dabei um eine energieschonende, saubere und ölfreie Technologie mit geringer Geräuschemission handelt, die darüber hinaus eine hohe Wiederholgenauigkeit aufweist.
Mohr-Matuschek: Energiesparen, Ökofreundlichkeit und Nachhaltigkeit sind aktuelle Orientierungsrichtlinien, die sich auch bei den Spritzgießanwendungen niederschlagen werden. Biopolymere werden sich neue Anwendungsfelder erobern. An der Substitution von Metallteilen durch Kunststofflösungen wird weiter gearbeitet und der Temperaturbereich dabei nach oben verschoben. Bei den Technologien stehen Designoberflächen hoch im Kurs, die sich durch verschiedene Verfahren wie etwa die IMD-Technik erreichen lassen. Weitere Trends sind großflächige, mit der Wendeplattentechnik hergestellte 2K-Teile, das Spritzprägen von Thermoplasten sowie die Kombination der PU-Verarbeitung mit dem Spritzgießen.
Welchen Anforderungen haben Spritzgießer heute besonders Rechnung zu tragen?
Braun: Kleinere Serien sind Produktionsalltag. Folglich sind schnelle und effiziente Werkzeugwechsel erforderlich. Das Segment anspruchsvoller technischer Artikel erfordert eine umfangreiche Prozessdokumentation und insbesondere eine „Null-Fehler-Stategie“. Qualität und Lieferzuverlässigkeit sind unerlässlich. Und obwohl in Deutschland zumeist Qualitätsbauteile hergestellt werden, müssen die Produktionskosten international konkurrenzfähig sein.
Mohr-Matuschek: Montagelinien werden zu Fertigungszellen erweitert, die vormontierte Produkte erzeugen. Ebenso müssen Folgeprozesse, beispielsweise das Ultraschallschweißen oder Oberflächencoating, beherrscht und in den Ablauf integriert werden. Die Spritzgießer müssen alles daran setzen, ihr Energiemanagement zu optimieren sowie Material für Angüsse zu regranulieren und direkt wieder zu verwenden.
Wo liegen die Schwerpunkte der diesjährigen Tagung?
Braun: Im ersten Teil der Tagung werden wir uns intensiv mit dem Energieverbrauch der einzelnen Prozessschritte auseinandersetzen. Wir werden beleuchten, wo welches Maß an Energie benötigt wird und Potenziale für eine Verringerung des Energieverbrauchs aufdecken. Auch die Kostenseite der Energiebereitstellung wird ein wichtiges Thema sein.
Mohr-Matuschek: In der zweiten Sektion wird das Spritzgießen von Consumerprodukten thematisiert. In den Vorträgen und Diskussionen werden Funktionalität und hochwertiges Design eine große Rolle spielen. Dabei werden Aspekte wie Oberflächengüte, Werkstoffauswahl, Mehrkomponententechnik, Kunststoff-/Metallhybride und Schutz gegen Produktpiraterie behandelt.
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