Highway to Hell(as) oder nur eine Achterbahnfahrt?
von Frank A. Gupta
In diesen Zeiten ein Editorial zu schreiben, das sich mit der Wirtschaft und der zukünftigen Entwicklung beschäftigt, ist wahrlich kein einfaches Unterfangen, da das, was man heute schreibt, schon morgen obsolet sein kann. Genauso wie viele Vorschläge von Wirtschaftsexperten und Politikern zur Lösung der Finanzkrise.
Aber ist eine Staatspleite wirklich ein so außergewöhnliches Ereignis?
Im April 2008 haben Carmen M. Reinhart von der University of Maryland und Kenneth S. Rogoff von der Harvard University einen Aufsatz mit dem Titel „This Time is Different: A Panoramic View of Eight Centuries of Financial Crises” veröffentlicht.
Beim Lesen dieses Aufsatzes wird einem klar, dass es in den letzten 800 Jahren hunderte von Staatspleiten gab und die jeweiligen Herrscher teilweise interessante Lösungsansätze hatten. Beliebt bei französischen Monarchen war zum Beispiel der Schuldenschnitt durch das Fallbeil, da sie große Gläubiger einfach exekutieren ließen. Eine frühe Form der Schuldenrestrukturierung.
Oder auch die Refinanzierung durch das gnadenlose Ausbeuten von Kolonien. Gerne von Spaniern, Portugiesen, Holländern und Engländern angewandt. Hier wurden die finanziellen Probleme einfach langfristig ins Ausland transferiert.
Beide Möglichkeiten sind leider heutzutage sozial nicht akzeptabel, im höchsten Maße politisch unkorrekt, und können daher nicht zur Lösung der jetzigen Finanzkrise herangezogen werden.
Gut, Scherz beiseite...
Auch wenn ich kein Wirtschaftsexperte bin verstehe ich natürlich, dass die Situation heute, durch die globale Vernetzung, wesentlich komplexer geworden ist, und dass Dominoeffekte sehr schnell einsetzen können. Auch bin ich mir nicht sicher ob der französische Finanzminister Abbe Terray (1768 – 1774) mit seiner Meinung, eine Staatspleite zumindest alle hundert Jahre sei notwendig um das Gleichgewicht wieder herzustellen, recht hatte.
Auf der anderen Seite ist mir klar, dass eine wachsende Weltbevölkerung ihre Grundbedürfnisse nur mit Hilfe der Kunststoffindustrie stillen kann. Ob es nun eine bessere Kühlkette ist, um die Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, bessere Isolierungen oder Leichtbau, um Energie einzusparen oder so genannte Komfortprodukte, um den Anforderungen einer alternden Bevölkerung Rechnung zu tragen, um nur einige zu nennen.
Aus diesem Grund glaube ich nicht, dass wir auf dem „Highway to Hell“ sind, sondern nur auf einer etwas holprigen Achterbahn.
Da aber auch eine Achterbahnfahrt immer am tiefsten Punkt der Bahn endet und Ihnen vielleicht ein wenig übel ist wenn Sie aussteigen, seien Sie mutig und steigen Sie wieder ein für die nächste Fahrt.
Mit besten Grüßen
Frank A. Gupta


