GAK - Gummi Fasern Kunststoffe

Issue 08 | 2015

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Editorial
519
Anglizismen und andere Wortschöpfungen

Kürzlich erhielt ich die Einladung eines nicht ganz unbekannten Instituts zur Fachtagung „Qualitäts­sicherung für FVK-Prozessketten als Enabler für die industrialisierte Fertigung“…


Selbst einem unbeteiligten Beobachter wäre aufgefallen, dass sich mein Gesichtsausdruck beim Lesen dieser Titelzeile in ein einziges Fragezeichen verwandelte, denn da war es wieder, das bisher leicht unbestimmte Gefühl, es könnte nicht völlig verkehrt sein, meine zurzeit allenfalls rudimentär vorhandenen Englischkenntnisse noch einmal grundlegend aufzufrischen.


Da passte der „Enabler“ geradezu wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, ließ er doch die Erkenntnis in mir keimen, was ich bloß ohne die englische Sprache – wie gut, dass es sie gibt – machen würde. Ohne sie wäre ich in der jüngeren Vergangenheit kaum mehr in der Lage gewesen, die deutsche Werbesprache richtig zu verstehen oder mich gar in bestimmten deutschsprachigen Medien zurechtzufinden.


Ihnen fallen dabei gewiss ebenfalls solch altehrwürdige, von nicht wenigen Kunden falsch verstandene Werbeslogans wie „Come in and find out“, „Drive Alive“, Supermarktangebote zu „Bodybags“, die sich Engländer oder Amerikaner nur ungern auf den Rücken schnallen würden, oder der Misserfolg eines Geländewagens unter dem Namen „Pajero“ in der Spanisch sprechenden Welt oder relativ aktuell die/der (?) „German Mut“ ein. Oh, ihr ehemaligen Liberalen – neuerdings sind es nämlich die Freien Demokraten, hätten eure PR-Leute doch etwas genauer recherchiert.


„Wir haben verstanden“, meinten in der Frühzeit nicht nur große Automarken, sondern auch andere Marketing-Strategen sind zu der Einsicht gelangt, dass man mit deutschen Werbesprüchen vielleicht doch besser fährt. Also sind die Anglizismen schon auf dem Rückzug?


Offenbar nicht, siehe beispielsweise oben. Der VDS, also der „Verein Deutsche Sprache“, ordnet den „Enabler“, den Möglichmacher, in seiner Wörterliste sogar als verdrängenden Anglizismus ein, was mir reichlich spanisch vorkommt. Aber falsch eingeschätzt. Da fühlt sich sehr aktuell eine ebenfalls nicht gänzlich unbekannte Branchengröße bemüßigt, via Presseinformation zu erklären, dass sich ihr neuer Name aus „collaboration“, „vest“ und „stro“ng zusammensetzt. Bedurfte es dieses Klimmzugs wirklich?


Nun liegt es mir fern, den Laptop künftig als Klapprechner (wie vom VDS vorgeschlagen) zu bezeichnen, obwohl ich diesen Vorschlag als gar nicht so übel empfinde, doch könnten wir vielleicht insgesamt etwas pfleglicher mit unserer Sprache umgehen und bestimmte Ausdrucksweisen etwas kritischer ­hinterfragen. Letztere sind nicht immer ein Zeichen von Weltläufigkeit.


Trinken Sie darauf einen „Kaffee zum Laufen”, den „Coffee to go”…

Ihr Ernst Debie

Report
530
„Rundum positives Erlebnis für Besucher und Aussteller“

DKT/IRC 2015 geht mit Besucherrekord zu Ende

Die Deutsche Kautschuk-Tagung (DKT) / International Rubber Conference (IRC) 2015 ging am 2. Juli 2015 mit einem Besucherrekord zu Ende. Die Träger und Organisatoren des international etablierten Branchentreffpunkts – die Deutsche Kautschuk-Gesellschaft e. V. (DKG) in Kooperation mit dem Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk) – teilten mit, dass die Nachfrage nach Ausstellungsflächen und Eintrittskarten bereits im Vorfeld der Veranstaltung auf einem Rekordniveau gelegen habe.

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547
„Alles rund um die Reifen“ – Von der 18. Tagung der DKG-Bezirksgruppe Nord

Am 22. und 23. April 2015 trafen sich Gummiexeprten aus ganz Deutschland zur
18. Auflage der Tagung der DKG-Bezirksgruppe Nord. Die Tagung findet traditionell im Wechsel zwischen Hamburg und Hannover statt. Diesmal stand Hannover wieder einmal als Treffpunkt an. Zu den Vorträgen versammelte man sich in den Räumen des DIK, das freundlicherweise als Gastgeber fungierte. Die informelle Abendveranstaltung auf Brauhausbänken bot den Teilnehmern viel Raum für fachlichen und nichtfachlichen Austausch und Netzwerkpflege. Krönender Abschluss der gelungenen Tagung bildete die Besichtigung der ultramodernen ContiLifeCycle-Anlage in Hannover-Stöcken.

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557
Vom Engel Symposium 2015: Professionalität und „Blobismus”

Das Motto des diesjährigen Engel Symposiums lautete: „Erfahrung. Innovation. Begeisterung.“ Mehr als 3 000 Gäste aus aller Welt waren für drei Tage im Juni zu der Hausmesse nach Linz und St. Valentin, Österreich, geladen. Mehrere Weltpremieren der Spritzgießtechnik wurden präsentiert, u. a. die neue O-Ring-Maschine Engel flexseal und die Erweiterung der Roboterreihe Engel easix. Die Teilnehmer bekamen ein hochkarätiges Vortragsprogramm geboten, das mit der Präsentation des sprudelndem Designers Karim Rashid gekrönt wurde, der einen kleinen Einblick in die faszinierende Designwelt des „Blobismus”, die Welt als Blase, gab. Während der feierlichen Verleihung der HL-Awards, die schon ein wenig an die US-amerikanischen Academy Awards erinnerte, wurden die Gäste kulinarisch und musikalisch perfekt unterhalten.

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Article
532
Technologie der Schaumextrusion – heute und morgen

Die Etablierung neuer Wertschöpfungsketten vom Rohstoff bis zum Endprodukt unter Gesichtspunkten wie Nachhaltigkeit, Klimaschutz sowie Nutzung einheimischer, biobasierter Rohstoffe für die Industrie ist eine der wichtigen, zukunftsrelevanten F+E-Aufgaben. Vor allem die Umsetzung der Energiewende stellt unsere Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die nachhaltige Erzeugung ressourcenschonender Materialien. Generell gilt jedoch, dass Ressourcen nur geschont werden können, wenn sie nicht genutzt werden. Dementsprechend ist das Verschäumen von Kunststoffen die Schlüsseltechnologie dieses Jahrhunderts, denn die Dichte-Reduzierung beim Verschäumen führt schon bei der Produktion zur Schonung von Ressourcen durch Materialeinsparung. Während sich erst in den letzten 15 Jahren immer mehr Kunststoffproduktionsverfahren mit dem Verschäumen beschäftigten, ist die Schaumextrusion ein seit den 1950er-Jahren bekanntes und seit den 1970er-Jahren etabliertes Herstellverfahren, welches sich erstmalig neu aufstellen muss, da durch die Entwicklungen in den anderen Produktionstechnologien die Vorteile aufgrund der bisherigen Alleinstellungsmerkmale verloren gehen.


The establishment of new value chains from raw materials to end products is, taking into account sustainability, climate protection as well as using local bio-based resources for the industry, one of the important future-relevant R+D tasks. Especially the realisation of the energy transition issues a big challenge to our society. A vital role in this game is assigned to the sustainable production of resource saving materials. In general, however, it is true that resources can only be saved by not using them at all. Consequently, the foaming of plastics is the key technology of this century, as only reducing the density by foaming leads to going easy on resources by saving material already during production. Although more and more plastic processing technologies have been focussing on foaming in the course of the last 15 years, foam extrusion is since the 1950s a well-known and since the 1970s an established manufacturing technology. It is the first time that foam extrusion must reposition itself because otherwise - due to the developments of the other production technologies - its advantages based on its unique characteristics would be lost.

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536
Modellierung der Zerfallskinetik des Treibmittels OBSH beim Einsatz in EPDM

Der Abbau von p‘,p-Oxybis(benzolsulfonylhydrazid) (OBSH) und seine Reaktionsweise nach dem Einmischen zusammen mit Additiven in Kautschukcompounds wurde mit Hilfe thermischer Analyseverfahren untersucht. Zum Verständnis und zur Beschreibung der exothermen Reaktion wurden DSC und TGA herangezogen. Es wurden verschiedene Kinetikmodelle nach nichtlinearen Näherungsverfahren der kleinsten Fehlerquadrate ausgewertet und dadurch die Aktivierungsenergien und Reaktionsparameter gewonnen. Das autokatalytische Kamal-Sourour-Modell führt zu einer besseren Anpassung, ermöglicht damit eine verbesserte Beschreibung der Kinetik und stellt die geeignetste Option zur Beschreibung der OBSH-Kinetik in der Herstellung elastomerer Schäume dar.


The decomposition of p’,p-oxybis(benzene sulfonylhydrazide) (OBSH) and its behaviour once mixed with additives and rubber compounds were studied by thermal analysis.  DSC and TGA were used to understand and characterise the exothermic reaction. Different kinetic models were evaluated following a non-linear least-squares minimisation approach, thereby obtaining activation energies and reaction parameters. The autocatalytic Kamal-Sourour model shows better performance and allows a better description of the kinetics resulting in the most suitable option for OBSH kinetics in elastomeric foams processes.

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542
Dispergierhilfsmittel für hochviskose Mischungen auf Basis NR/BR/Kieselsäure

Spezielle Ruße, Kieselsäure und Silane werden immer dann eingesetzt, wenn es notwendig ist, die Abriebbeständigkeit von Naturkautschukmischungen zu ­verbessern (≤ 40 mm3). Öle lassen sich vermeiden, indem sie durch Viskositätsverbesserer (1 – 3 phr) wie z. B. Zn-Seifen ersetzt werden. Solche Compounds (bspw. für ­Lkw-Reifenlaufflächen) sind durch hohe Viskositäten, in der Größenordnung von 100 Mooney-Einheiten, gekennzeichnet und somit schwierig zu mischen und zu verarbeiten. Die derzeitige Forschung konzentriert sich darauf, die Viskosität unter Verwendung eines Dispergierhilfsmittels, das die Verarbeitbarkeit und die mechanischen und dynamischen Eigenschaften der Mischung verbessert, zu verringern.


Special carbon blacks, silica and silanes are used whenever it is necessary to improve natural rubber compounds for high abrasion resistance (≤ 40 mm3). Oils are avoided
by replacing them with the addition of 1 – 3 phr of viscosity reducers such as Zn soaps. These compounds (e. g. for truck treads) are characterised by high viscosities, in the order of 100 Mooney units, being difficult to mix and process. The actual research is oriented to reduce the viscosity using a dispersion agent that improves the processability and the mechanical and dynamic properties of the compound.

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548
Das Kälte-Dichtkraftverhalten von FKM-Elastomeren in Abhängigkeit von dem chemischen Vernetzungs­grad und unterschiedlich eingeschränkter, geometrischer Verformung bei der statischen Verpressung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich zunächst mit dem Einfluss einer steigenden chemischen Netzwerkdichte auf das statische Dichtkraftverhalten und die Struktur­mobilität eines FKM-Elastomerwerkstoffs in der Kälte. Die zylindrischen FKM-Probekörper wurden einer hohen statischen Flächenpressung ausgesetzt, um die thermodynamischen und immobilisierenden Einflüsse auf das Dichtkraftverhalten in Abhängigkeit von der Netzwerkdichte stärker sichtbar zu machen. Weitere Volumenquellversuche und PVT-Messungen konzentrierten sich speziell auf das kompressible Verhalten des Elastomerwerkstoffs in Abhängigkeit von der chemischen Netzwerkdichte. Des Weiteren wurde, bezogen auf das statische Dichtkraftverhalten bzw. die Werkstoffmobilität in der Kälte, der Belastungsfall der freien Verpressung mit Gestaltsänderungsarbeit mit dem Grenzfall einer vollständig gekammerten Elastomerdichtung verglichen. Das vollständig gekammerte Elastomermaterial wurde dabei einer reinen Kompressionsarbeit ausgesetzt, analog zu den PVT-Messungen.


The present publication addresses at first the influence of an increasing chemical network density on the static sealing force behaviour and the inner structure mobility of a FKM material in the cold. The cylindrical FKM test specimens were exposed to a high static surface pressure, in order to obtain a better resolution for thermodynamic and immobilising influences on the sealing force behaviour as a function of the chemical network density. Additional volume swelling trials and PVT measurements were especially focused on the compressible behaviour of the elastomer material dependent on the chemical network density. Furthermore – related to the static sealing force behaviour and the mobility of the material in cold, respectively – the loading case of free compression including the work for volume strain was compared with the limit case of a completely confined elastomer seal. The completely confined elastomer material was exposed to pure compression work, analogous to PVT measurements.

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Interview
560
„Auch mal den Kittel dreckig machen!“ – Gespräch mit Dr. Hans-Joachim Graf

Für sich genommen sind die beiden Bauteile vor dem Fenster nichts Besonderes. Etwa 50 cm lang und schmal, vermutlich Komponenten eines Automobilinterieurs, vielleicht einer Türseitenverkleidung, dunkle, angenehm griffige Oberfläche. TPE? Gummi? Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass damit etwas nicht stimmt. Die Farbe der Bauteile ist nicht ganz einheitlich, man erkennt kleine Punkte, die wie in einer Fließbewegung in der dunklen Materialmatrix eingefroren erscheinen. „Wissen Sie, woran das liegt?“, fragt der Herr, der uns diese Objekte zeigt. Es folgt ein kurzer, kluger Vortrag, in dem es um Rheologie geht, um Schichtdicken, um Füllstoffe. Diese kleine Episode steht stellvertretend für das, was wir in den kommenden fünf Stunden vorhaben: Der Mann vor uns heißt Dr. Hans-Joachim Graf, er ist vor kurzem 70 geworden – und wir stehen nicht in einer Werkshalle, auch nicht in einem Labor, sondern im Wohnzimmer eines Einfamilienhauses in Bad Soden-Salmünster, nicht weit von Grafs letzten Arbeitgeber Woco. Der Chemiker ist zwar im Ruhestand. Trotzdem bekommt er immer noch und immer wieder Materialproben zur Begutachtung.

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